Am Wochenende der zehnten Kalenderwoche des Jahres 2025 fand das Mädchenschachpatent in der DJH in Heidelberg statt. Von den Karlsruher Schachfreunden nahmen die BFDler Leonhard Kinsky und Peter Thome, sowie der engagierte AG-Leiter Leander Naeher. In der Jugendherberge angekommen wurden wir von Jörg Schulz begrüßt. Unsere erste Aufgabe war es, in geschlechtergetrennten Gruppen ein Brainstorming zu der Frage: „Warum ist der Frauenanteil im Schach so gering?“ auf Flipchartpapier zu notieren. Es bildeten sich drei Frauengruppen und zwei Männergruppen, da 12 der 19 Teilnehmenden weiblich war. Auffallend war auch, dass einige eine weite Anreise auf sich nahmen. Abgesehen von meiner langen Anreise aus Emden kamen andere Teilnehmende auch aus Hannover und Berlin und natürlich einige aus dem nahen Umfeld in und um Baden-Württemberg.
Am Samstagmorgen präsentierten alle Gruppen die bunten Ergebnisse. Fünf geschlechtergetrennte Gruppen grafisierten sehr unterschiedliche Ideensammlungen, die zahlreiche Aspekte von Evolution über Politik bis zu Verhaltensmustern zu einem tiefgründigen Puzzle zusammenfügten. Der Konsens: Frauen- und Mädchenschach ist für das Vereinsleben überlebenswichtig. Daraufhin postulierte Laura Schalkhäuser in ihrem Vortrag, dass sich Mädchen und Frauen für das Schachspiel nicht durch Separation von den Jungs, sondern durch Zusatzangebote begeistern lassen. Der Begriff „Zusatzangebote“ wurde durch Beispiele aus ihrem Mädchenschach und von Kursteilnehmenden voller wunderbarer Ideen besetzt. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Am Nachmittag referierte Kristin Wodzinski über mögliche Projekte, die man als Verein oder Schulschach-AG realisieren kann. Im Anschluss durften wir in Kleingruppen ein Projekt anhand einer Fragestellung konkret planen. Meine Gruppe plante einen Eltern-Kind-Tag, um Kinder von der Schule in den Verein zu leiten.
Da ich etwas früher ging, überreichte mir Laura Schalkhäuser noch das von ihr und Harald Schneider-Dinner verfasste neue Schachbuch für Kinder, für das ich mich seit dem Schulschachkongress interessierte. Dieses Buch, was beim SSK vorgestellt wurde, in der Hand zu halten und Laura zu danken, erfüllte mich mit einem Gefühl der Dankbarkeit und der Freude. Aufgrund eines Tanzturniers am Sonntag konnte ich das MSP nur für zwei Tage besuchen und fühlte mich durch die Einsichten bereichert. Nach der Verabschiedung von Karo, Sophia, Peter und Leander machte ich mich nach dem Abendessen auf den Heimweg. Abschließend hier noch Tipps für die nächsten BFDler, die in Heidelberg Patentlehrgänge besuchen:
Nach Heidelberg pendeln geht, plant auf jeden Fall eure Reise-, Schlafens- und Frühstückszeit im Voraus. Wir haben am Samstagmorgen gegen 9 Uhr begonnen.
Und: Genießt die Seminarzeit. Ich nehme Seminare als Chance wahr, meine BFD-Zeit abwechslungsreich zu gestalten und den Austausch mit den anderen schachbegeisterten Menschen zu suchen. Geht auch auf andere Menschen zu und ihr werdet irgendwie davon profitieren, egal ob persönlich oder in Form eines Buchs, was euch begeistert.
Hallo,
Peter hier. Ich möchte auch nochmal kurz auf das Mädchenschachpatent eingehen, da es für jede Person eine bereichernde Erfahrung darstellt. Gerade weil Frauen und Mädchen im Schach stark unterrepräsentiert sind, kann ich das Patent als Empfehlung aussprechen. Mir persönlich hat es viel gebracht, da es es wünschenswert ist eine relativ ausgewogene Geschlechterverteilung im Schach zu haben. Ich finde nämlich, dass Schach in der gesamten Gesellschaft mehr Anklang finden sollte. Und umso mehr Menschen sich mit dem Schachspiel identifizieren können, desto mehr Menschen ziehen überhaupt auch erst in Betracht, dass Schach etwas für sie sein könnte.
Am letzten Tag, an dem Leonhard leider schon abgereist war, kam ich morgens wieder um 9 Uhr an. Dann ging es auch schon direkt mit dem ersten Punkt der Tagesordnung los. Es wurde darauf eingegangen, welche Rahmenbedingungen ein Verein erfüllen sollte, um mädchenfreundlich zu sein. Zum Beispiel sollte ein Verein eine weibliche Trainerin haben, aus dem Grund der Identifikation, welchen ich gerade schon angesprochen habe. Vor allem noch kleine Mädchen besprechen ihre Probleme eher mit weiblichen Vorbildern. Der vorletzte Punkt der Tagesordnung war dann noch das Angebot der Deutschen Schachjugend zum Thema Mädchenschach. Es gibt wirklich mittlerweile unzählige Materialien zum diesem Thema. Von Büchern und Stickern bis zu Schachheften, die mädchengerecht gestaltet sind. Mehr dazu auf der Website der Deutschen Schachjugend.
Am Ende der Veranstaltung stand dann noch das Feedback an. Und ich darf behaupten, dass es durchwegs positiv war. Also das Mädchenschachpatent ist eine Bereicherung und ich kann schlussendlich nur eine Empfehlung aussprechen. Auch nochmals ein herzliches Dankeschön an Kristin, die – wie zu erwarten war – einen professionellen und inspirierenden Job gemacht hat.